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Auf die Atmosphäre kommt es an.

Jeder Mensch, jedes Kind ist individuell. Jeder Mensch, jedes Kind lernt auch individuell. Dennoch gibt es Gemeinsamkeiten, wie zum Beispiel die Auswirkungen einer positiven und angenehmen Lernatmosphäre. 

 

Mit einer Lernatmosphäre meine ich natürlich die räumlichen Bedingungen, wie zum Beispiel ausreichend Platz und Freiraum, genügend Licht und Sauerstoff, wie auch angemessener Stuhl, Tisch und Utensilien.

 

Die Lernatmosphäre wird aber auch durch weitere Faktoren geprägt. Die Zeit ist mindestens so entscheidend wie der Raum. Kinder sollten, gerade bei Hausaufgaben oder dem Lernen, niemals an Zeitdruck oder Hektik gewöhnt werden. Es passiert dann sehr schnell, dass Kinder diese Gegebenheit verinnerlichen und absichtlich oder unabsichtlich weiterführen. Nur wenn genügend Zeit eingeplant ist, kann auch Konzentration und dementsprechend ein Lerneffekt entstehen. Kinder lernen über Wiederholungen. Sie lernen durch das mehrmalige Anschauen von Wörtern, durch das Überdenken des Ergebnisses bei einer Matheaufgabe oder durch das eigene Hinterfragen in Bezug auf die Rechtschreibung. Diese Zeit sollten wir den Kindern schaffen und geben.

 

Das wohl wichtigste Kriterium (meiner Meinung nach) beim gemeinsamen Lernen ist die Interaktion. Diese Interaktion sollte genauso angemessen gestaltet sein, wie auch der Raum und die Zeit. Begegnet man den Kindern auf Augenhöhe, mit dem gleichen Respekt und mit Wohlwollen, gestaltet sich das Lernen einfach anders. Natürlich ist das Lernen mit Mama und Papa laut Kinder meist anstrengend, nervig und "überflüssig". Doch auch hier kann durch kleine Verhaltensänderungen ein Überraschungseffekt erreicht werden, der das gemeinsame Lernen positiv beeinflusst. 

Hier eine kleine Auflistung meiner Gedanken dazu. Sie sind sicher nicht allgemeingültig, mir haben sie aber bisher geholfen.

  • Druck rausnehmen. Wird zu Beginn des Lernens Druck aufgebaut, in dem eine gewisse Anzahl von Aufgaben erledigt werden muss, verfliegt der Spaß, der durchaus aufkommen kann, sofort. 
  • Perspektivwechsel. Was würde ich mir beim gemeinsamen Lernen wünschen? Wie geht es mir dabei, wenn ich so viele Arbeiten erledigen muss? Hätte ich eventuell etwas Angst vor der nächsten Klassenarbeit?
  • Lob bewirkt Wunder. Im Alltag kommt es manchmal vor, dass wir mehr kritisieren als loben. Daher einfach ganz bewusst miteinander lernen und dabei loben. Es gibt immer Gründe zum Loben. Auch wenn nicht alles auf Anhieb "richtig" gemacht wird: Der Weg ist das Ziel. 
  • Augenhöhe. Begegnen wir den Kindern auf Augenhöhe, können wir auch von ihnen anders wahrgenommen werden. Nicht als nervige Kontrolleure, sondern als Partner. 
  • Abwechslung. Die nervigste und anstrengendste Hausarbeit kann durch Abwechslung, Spontanität und Kreativität aufgelockert werden. Bewegungsspiele zwischendurch, Aufgaben in den Alltag einbeziehen oder die Kinder Lehrer spielen lassen. Viele Möglichkeiten erleichtern das Lernen ungemein.

 

Für mich persönlich ist es das Zusammenspiel aller drei Komponenten, die ein gutes und wirklich sinnvolles Lernen ausmachen. Wir erwarten (schulisch) meist recht viel von Kindern: im Schulalltag mitzukommen, Inhalte zu verstehen und anzuwenden, auf die Form zu achten, zu wissen wie und wann sie lernen sollten und natürlich auch dementsprechende "Leistung" zu zeigen. 

Soweit in Ordnung, dann müssen wir sie aber auch dementsprechend unterstützen und stärken. Wir sollten ihnen die Atmosphäre schaffen, in der das, wenn möglich gemeinsam, gelingen kann.